Trans Alp aus der Sicht einer Frau in Stöckeln

Ich hatte mir vorgenommen, mit meinem Travelnerd eine ganz neue Erfahrung zu machen. Auf den eigenen Füßen über die Alpen getragen zu werden, sollte mich wieder ins Lot bringen und meine Innere Mitte kalibrieren. Dass alles bis hierhin Geschriebene grober Unfug ist, das wissen die Leute, die mich kennen, aber was jetzt kommt, ist noch viel schlimmer. Jetzt kommt die pure Realität. Mein Travelnerd ist verrückt, dass wissen die Meisten, nur muss ich mir leider eingestehen, dass ich auch nicht ganz normal bin, denn immerhin mache ich den ganzen Schei... mit Rucksack, Zelt und Tevas rumzulaufen auch noch mit.

Okay, komme ich einfach mal wieder auf den Kern der Sache: Von mir war im Jahr 2010 ein gemütlicher Gang über die Alpen in 3 Wochen geplant, um zu verhindern, dass ich, ausgerüstet mit Stirnband und Machete, meinen geliebten Travelnerd durch den Urwald schleppen musste.

Alpenpanorama
Ein perfektes Alpenpanorama zur Brottzeit

Klarer Vorteil einer Alpentour war:

1. Kein Urwald
2. Keine anderen durchgeknallten Globetrotter (die waren nämlich im Urwald)
3. Sichere Mahlzeiten und Schlafstätten in Berghütten
4. Keine Verständigungshindernisse "Woo is dänn di nächste Hüttn?"
5. Am Ende lockt Prosecco und Venedig
6. Gewichtsverlust von mindestens 5 Kilo trotz Berghütten, Prosecco und Venedig


6 Argumente für die Alpentour - und alle wurden widerlegt!



Schuhdisaster
Schuhdisaster
Und das gleich zu Beginn:

1. und 2. Tag durch den Monsun von Bad Tölz, im strömenden Regen bis zum Brauneck hoch geschwommen und die Wanderschuhe waren sofort im Arsch.

Na, super!
Da ich in diesem, wie in jedem anderen Urlaub auch, sehr gelitten habe, möchte ich alle daran teilhaben lassen. Ich gehe mit euch Schritt für Schritt jeden Meter der Alpentour ab und erzähle, was ich erlebt und gefühlt habe!
Wer jetzt erwartet, dass ich das wirklich mache, ist entweder total verrückt oder auf der falschen Homepage gelandet. Dies ist nicht die Selbsthilfegruppe für "Esoterische Kalibrierung in 4.689.953.433 Schritten"!


"Also Auf geht’s, gemma, pack ma’s!"




Natur (Riss)
Perfekter Auftakt (Riss)
Gleich in den ersten Tagen unserer dreiwöchigen Wanderung taten sich vor uns herrliche Ausblicke auf die Natur auf...
Schlauchkarsattel
Anstieg zum Schlauchkarsattel
... und schreckliche auf die Menschheit! Ach ne, nur auf einen einsamen Travelnerd, der langsam das Geröllfeld zum Schlauchkarsattel hinaufschlendert!


Ich wusste gar nicht, warum er sich so anstellte, er hatte schließlich nur 16 Kilo auf dem Rücken und die Sonne im Herzen (woanders gab es ja auch keine Sonne).
Ich selbst trug nur 7 Kilo plus ein paar Stöckelschuh und grinste mir ein paar Meter weiter oben im Eis einen rein.

Drahtseilakt
Drahtseilakt
Doch wer einmal lacht, der hat schon zu viel gemacht, also wurde ich direkt für meine Häme mit einem Akt am Drahtseil bestraft.
Ich muss ehrlich zugeben, dass die Kletteraktion nicht so schlimm war, wie sie aussieht.
Außer, dass ich diese Aktion ständig wiederholen musste... und durch Eisrinnen rutschen und durch Gesteinsschlote klettern musste. Tja, wie man sieht, kam ich mit viel klar... nur nicht mit dem schlechten Wetter... das macht die Haut rissig und die Frau bissig!

Biererfrischung
Leider zu kalt für eine Biererfrischung
Aber unser Motto hieß ja immer höher, immer weiter, daher kämpfte ich mich ungeschminkt von Österreich nach Italien. Und wenn ich nicht gerade an einem Seil hing, einen Bock schoss oder an einem alten Stück Brot knabberte, dann genoss ich die schöne Aussicht auf Bier und Berge...

Schlechtes Wetter
Schlechtes Wetter
...oder doch die Aussicht auf Mist Wetter?

Kinders, ich habe euch doch gesagt, das Wandern über die Alpen ist kein Zuckerschlecken und, auch nicht mit Prosecco Trinken zu vergleichen. Manchmal war es so schlimm, dass wir den Weg kaum sehen konnten.
Bei so einem schlechten Wetter haben wir uns dann einfach in ein Cafe verzogen und Torte und Kaffee geschlemmert, bis das Wetter wieder besser war. Naja, zumindest im Kopfkino. ;-)))

Frenchies
Die "Frenchies"
Abgesehen von diesen schönen natürlichen Erlebnissen hatten wir das Glück, nach 10 Tagen Weggefährten zu finden, die mit uns das Leid teilten. Zwei verrückte Belgier, die wir nur die "Frenchies" nannten, hatten sich aufgemacht, die Berge in fremden Ländern, deren Sprachen sie nicht sprechen und deren Karten sie nicht lesen konnten, zu besiegen.
Mit Leichtgepäck von insgesamt 50 Kilo auf dem Rücken inkl. einem Wörterbuch und diversen anderen Büchern, 10 Zeitschriften in Deutsch, einem Zelt und Kocher, die nie zum Einsatz kamen und einer Glasflasche Rotwein.


Das Prosecco-Land-Paradies

Processo-Land
Frau in Stöckeln im Processo Paradies
Zu viert teilten wir die Wechselbäder der Gefühle, bis wir langsam aber sicher die Alpen Südtirols hinter uns gelassen hatten und in meine Lieblingsregion kamen: Das Prosecco-Land (besseres Essen, besseres Wetter, bessere Laune und das Glas Prosecco für 0,90Euro!!!). Ich habe noch nie so viel Freude in meinem Leben empfunden (vielleicht kam es mir aber auch nur nach der Schlepperei so vor).
Ganze zwei Tage durfte ich mich erholen, das dritte Mal in einem richtigen Bett schlafen und morgens an einem Tisch frühstücken.
Die Hügel wurden Schritt für Schritt flacher und in der Ferne konnten wir das Ziel sehen: Meer und mehr!


Das große Finale

Venedig
Venedig: Canal Grande
Nach 3 Wochen Plackerei, 4 Kilo weniger Lebendgewicht, eisigen Nächten auf 3000 Meter Höhe, aber einer Erfahrung schwerer, endete alles in Venedig.
...oder war das erst der Anfang?
Venedig-Eine Lagungenstadt
Venedig-Eine Lagungenstadt


Ich freue mich auf Eure Kommentare und Anregungen im Gästebuch.

Die passende Fotodokumentation des Leidenswegs gibt es hier.



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Trans Alp

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