Mexiko - Viva Mexico, viva la vida!


Wie konnte mir das als Travelnerd nur passieren? Die Frau in Stöckeln hatte mich zu einem Luxusurlaub (ohne Zelt oder Fahrrad) genötigt und ich konnte noch nicht einmal "Nein" sagen. Und das in Mexiko, einem Land mit schier unbegrenzten Möglichkeiten.

Angefangen hatte alles damit, dass die Arbeit einen Freund für ein Jahr nach Mexico City verschlagen hatte. Da lag es auf der Hand, dass wir auf einer Stippvisite vorbeischauen würden. Wir buchten flux ein günstiges Flugticket und saßen schon bald darauf im Flieger in Richtung des Landes, das für seine Tacos und den Überfluss an Tequila berühmt ist.

Zuerst wollten die Frau in Stöckeln und ich zu zweit durchs Land ziehen, bevor wir uns mit unseren Freunden in Acapulco treffen sollten.


Auftakt in Oaxaca

Oaxaca - Monte Alba
Historische Stätte Monte Alba

Oaxaca Zocalo - Konzert
Ständchen auf dem Zocalo in Oaxaca
Als Erstes stand Oaxaca auf dem Programm. Ein wirklich tolles, kleines Städtchen im südlichen Hochland Mexikos. Es vermochte nicht nur mit alter Kultur, z. B. die Ruinen auf dem Monte Alba, zu überzeugen, sondern auch mit den lebensfrohen Mexikanern. So gab es zum Auftakt gleich ein Konzert auf dem Zocalo, "DEM" zentralen Platz in nahezu jeder mexikanischen Stadt.
Oaxaca - Energiemesse
Energiemesse in Oaxaca
Neben vielen Kirchen und weiteren historischen Gebäuden verschlug es uns auch auf eine kleine Energiemesse in die Fußgängerzone. Dort wurden gerade alternative Energiegewinnungsformen vorgestellt. Es reichte von der Stromerzeugung über Warmwasser bis zum solaren Kochen; alles das, was wir Deutschen bis jetzt noch nicht geschafft haben.

Wir Europäer -insbesondere die Deutschen- neigen dazu, zu denken, dass wir mit großem Abstand im Ökobereich vorangehen und andere Länder nicht wirklich viel auf diesem Gebiet unternehmen. Alleine diese Ausstellung zeigt, wie falsch wir mit der Einschätzung liegen können.


Urlaubsfeeling am Pazifik

Puerto Escondido
Urlaubsfeeling in Puerto Escondido
Obwohl es erst Mitte März war, war es in der Sonne bereits recht heiß. Also ging es zur Abkühlung runter an den Pazifik. Nachdem klar war, dass es dieses mal keinen "normalen" Urlaub geben sollte, hatte ich mich meinem Schicksal nun vollends gefügt und es ging in die
Puerto Escondido - Auf eine gute Nachbarschaft
Auf eine gute Nachbarschaft
"Touri-Hochburg" Puerto Escondido. Ganz so schlimm kam es dann aber zum Glück doch nicht. Der Massentourismus hielt sich in Grenzen, der Ausblick aus unserem Zimmer war fantastisch, in der Nebensaison gab es nicht wirklich viele "Gringos" vor Ort und die tierische "Nachbarschaft" war auch interessant.

Puerto Escondido
Idylle pur
Die Frau in Stöckeln wäre am Liebsten gleich mehrere Wochen, wenn nicht Monate, hier geblieben. Erstaunlich, dass ausgerechnet sie die Stöckeln nicht dabei hatte. Und dabei war es der Urlaub, der am dichtesten an ihre Stöckel-Urlaubs-Vorstellung herankam. Sie hätte stundenlang die Promenade hoch und runter stöckeln können... wenn sie sie nur dabei gehabt hätte.

Aber auch das wirklich gute Essen und die vielen frischen Fruitshakes konnten mich nicht lange hier halten und ich überzeugte (eigentlich eher überredete) meine Freundin, den Rucksack wieder zu packen, einen Bus oder eine Pickup-Ladefläche zu suchen, und die Küste weiter gen Norden heraufzutouren.


Junger Surfer an der Laguna de Chacahua
Früh übt sich
Weit sind wir nicht gekommen. In der Laguna de Chacahua war bereits wieder Schluss. Ein wahres Paradies. Da dort keine direkte Straße hinfuhr, sondern man ein paar Meter mit einem kleinen Passagierbötchen übersetzen musste, gab es nur ein paar waschechte Surfer.

Auch die Unterkunft war Klasse, einfache Bambushütten mit Palmwedeldächern und Mosquitonetzen über dem Bett.
Unterkunft in der Laguna de Chacahua
Luftige Unterkunft
Wir hatten die Luxusedition gebucht: Eine Hütte mit Betonboden - ohne Strom versteht sich. Einen Ventilator brauchten wir eh nicht, da sich zum einen Bambushütten während des Tages nicht aufheizten und zum anderen, weil durch die vielen Ritzen zwischen den Bambusstielen eine ständige Briese hindurchwehte.

So gingen die Tage dahin und wir vertrieben uns die Zeit mit stundenlangen Sparziergängen am menschenleeren, kilometerlangen Sandstrand.

Abends hatte ein kleines Restaurant mit überschaubarer, aber leckerer Speisekarte geöffnet. Einfach, aber grandios!
Aber dann mussten wir auch bereits weiter, da wir uns mit unseren Freunden treffen wollten. So legten wir auch nur einen kurzen Pitstop in Playa Ventura ein, bevor wir uns dann final in Acapulco trafen.


Todesmutig oder einfach nur irre

Todesmutiger Klippenspringer von Acapulco
Todesmutiger Klippenspringer von Acapulco
Acapulco. Irgendwie rangt ja etwas um den Namen Acapulco. Aber als wir da waren, fanden wir es nur schrecklich. Wir sind noch nicht einmal in die Zona Hotelería gefahren. Was wir aus der Ferne erkennen konnten, reichte uns schon. Welch ein Kontrast nach der nahezu menschenleeren Laguna de Chacahua! Und selbst die Frau in Stöckeln empfand keine Lust an der Promenade zu stöckeln.

Aber die einzig wahre Attraktion von Acapulco wollten wir vier uns dann doch nicht entgehen lassen: Die todesmutigen Klippenspringer.

Ich muss eingestehen, dass ich vor ihrem Mut Respekt hatte. Sie selber offenbar auch, denn oben auf einer Art Absprungvorsprung war ein kleiner Schrein, an dem vor jedem Sprung noch einmal um göttlichen Beistand gebetet wurde. Dann ging es vorne an die Kante. Unten am Meer stand jemand, der die Wellen beobachtete. Wenn sie genau richtig ankamen, gaben sie ein Zeichen und der Springer legte los. Respekt!
Nach der Vorstellung ging es dann gleich weiter nach Pie De La Cuesta. Sie liegt zwar nur eine Bucht weiter als Acapulco, schien aber Lichtjahre entfernt zu sein. Hier gab es keine Hochhausschluchten mit Hotelbetonbunkern. Wenn auch kein Traum, so war es hier, zumindest im Gegensatz zu Acapulco, erträglich.

Taxco - Kathedrale
Taxco bei Nacht
Zu viert gönnten wir uns auf dem Weg nach Mexiko Stadt noch einen Tag in Taxco. Es schmiegt sich perfekt in die hügelige Landschaft ein und lädt die Menschen dazu ein, die kleinen Gässchen zu erkunden.

Aber auch kulinarisch kamen wir auf unsere Kosten und haben uns wieder einmal an der mexikanischen Küche gelabt. Anders als an der Küste, an der wir uns quasi aus frischen Früchten ernährten, gab es hier mal wieder etwas "Festes" auf den Teller. Die Frau in Stöckeln war wieder in ihrem Element!


Last but not least: Mexiko Stadt

Mexiko Stadt - Palast der schönen Künste
Schöner Palast der schönen Künste
Und dann kam Mexico City. Welch ein Koloss von einer Stadt. Wenn doch widererwartend recht sauber, so war es doch erwartungsgemäß eine laute, hektische Megametropole mit allem, was dazu gehört.

Die Sehenswürdigkeiten waren recht schnell abgeklappert: Die Kathedrale, der Torre Latinoamericana, der Palast der schönen Künste und dem Castillo de Chapultepec, um nur einige zu nennen.

Und, obwohl Mexiko Stadt als Schuhparadies bekannt ist, bescheinigten uns die zwei Damen, dass es im Verhältnis zu Italien kleines Kino sei. Gut, der Vergleich mit Italien ist wahrscheinlich unfair, da im Verhältnis hierzu jedes Land nur schlecht abschneiden kann. Aber das sollte uns Männern nur Recht sein, denn so mussten wir nicht stundenlang in der Mittagssonne vor den Geschäften warten.
Teotihuacán
Beeindruckend was die Azteken geleistet haben
Aber irgendwie war es nach all der Ruhe der letzten Zeit doch zu viel und es trieb uns wieder raus aus der Stadt. So kam ein Ausflug nach Teotihuacán vor den Toren Mexico Citys, genau richtig. Schon beeindruckend, was die Azteken schon vor knapp 2.000 Jahren alles geleistet haben.
Puebla
Knalle bund
Ebenfalls toll war ein Abstecher nach Puebla. Es überzeugte mit kolonialen Straßenzügen, wie man sie sich das in Mexiko vorstellt: Schlicht, einem kleinem Balkon und bunten, kräftigen Farben.

Obwohl Puebla mit 1.5 Millionen Einwohnern nun wirklich kein kleines Dorf ist, hatten wir wieder Glück, und die Shopping-Qualitäten schienen den Anforderungen der Damen nicht zu genügen.
Und dann wurde es in Tepoztlan noch einmal sportlich. Es liegt zu Fuße eines kleinen Berges mit El Tepozteco, einer weiteren historischen Stätte, auf dem Bergkamm. Und diese wollte erklommen werden. In der Mittagshitze eine wahre, schweißbringende Aufgabe. Hmmm, irgendwie schienen wir alle Aktivitäten über die Mittagszeit gelegt zu haben. Ich glaube, da sollten wir noch ein wenig an uns arbeiten.

Mexiko Stadt bei Nacht
Mexiko Stadt bei Nacht
Nach ein paar weiteren Tagen stand dann auch schon wieder der Rückflug bevor. Wie immer kam er viel zu schnell. Aber über eines waren wir uns einig, Mexiko hat uns in seinen Bann gezogen und wir würden bald wiederkommen. Und dieses Mal würden wir dann wieder einen "richtigen" Urlaub machen...

Ich freue mich auf Eure Kommentare und Anregungen im Gästebuch.

Weitere Fotos aus dem farben- und lebensfrohen Mexikos gibt es hier.




Nachtrag: In der Tat sind wir Ende des Jahres erneut nach Mexiko aufgebrochen. Diesmal um mit dem Fahrrad die Baja California zu erkunden.
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