Südafrika: Start in Kapstadt

Welch eine Luxusleben: 3 Wochen Resturlaub, der genommen werden "wollte". Nach kurzem Wettercheck und Recherche der Sicherheitslage stand fest, dass es diesmal mit dem Rad nach Südafrika und Lesotho gehen sollte und zwar ganz alleine.

Um mir nicht den Spaß zu verderben, plante ich den Urlaub nicht, sondern kaufte nur den Hin- und Rückflug. Das musste reichen, wie immer!

Kapstadt
Touri Tour durch Kapstadt
In Kapstadt angekommen, ging es ganz touri-mäßig auf Erkundungstour. Eine wirklich interessante Stadt mit freundlichen Leuten.

Nur die Sicherheitslage konnte ich so ganz und gar nicht einschätzen. Es "fühlte" sich -zumindest am Tag- alles sehr entspannt und sicher an. Aber der Eindruck kann bekannter Weise meilenweit an der Realität vorbeigehen. Ich wurde zum Glück keines Besseren belehrt!
Tafelberg
Blick vom Tafelberg
Am zweiten Tag ging es auf den Tafelberg. Klar, dass er erlaufen werden wollte. Nach einem heißen Aufstieg, kam dann auch gleich die Belohnung, eine grandiose Aussicht über die riesige Bucht von Kapstadt.
Auf Grund der ungewöhnlichen Hitze der letzten Tage waren nicht sehr viele andere Gipfelstürmer -oder sollte ich Seilbahnfahrer sagen- vor Ort, sodass ich verhältnismäßig in Ruhe herumwandeln konnte.

Auf dem Weg zum Kap der guten Hoffnung

Aber dann fing es auch schon an, in meinen Füßen zu kribbeln. Es lag ja noch ein richtig langer Weg vor mir. Wie lange? Keine Ahnung. Ich hatte ja nichts geplant. Das Einzige, was feststand, war der Abflug aus Durban. Darum ging es an dem nächsten Morgen auch gleich früh los. Das Trampeln fing recht gut an. Blauer Himmel. Es war wieder etwas kühler und nicht mehr ganz so schwül, nur stürmisch wie Hulle. Und das war noch untertrieben. Selbst bergab auf den wirklich phantastisch guten Straßen musste ich richtig kräftig trampeln. Und ein deprimierender Blick auf den Tacho verriet, dass ich es gerade einmal auf 6 km/h brachte. So hatte ich abends, vollkommen platt, gerade einmal 60km gemacht. Wie frustrierend.

Später erfuhr ich, dass auf Grund des Sturmes sogar der Gondelbetrieb auf den Tafelberg eingestellt werden musste. Aber er sollte sich am nächsten Tag wieder etwas abschwächen und so wurde es einfach nur noch traumhaft, genauso wie die Landschaft, die um das Kap herum bis rüber nach Hermanus wirklich spektakulär ist.
Paradies
So könnte das Paradies aussehen: Strand, tolles Wasser und Sonne von oben.
Darüber hinaus ist die Strecke für Radler nicht mehr wirklich geeignet. Man kam am Meer nicht mehr weiter und ich musste ins Inland fahren. Eine relativ eintönige Tour, gespickt mit viel Verkehr.
Auch die bekannte Garden Route wird, meiner Meinung nach, stark überbewertet. Klar, es gibt die ein oder andere "nette" Stelle. Umwerfen vermochte sie mich jedoch nicht.


Im "Hinterland"

Daher fällte ich in Port Elizabeth die Entscheidung, nicht weiter in der Küstenregion zu fahren, sondern stattdessen richtig ins Inland zu radeln. Ein kurzer Blick auf meine Landkarte zeigte direkt, dass ich diesen Umweg in der geplanten Zeit nicht schaffen würde. Daher war ich so frei und warf kurzerhand das Rad in einen Überlandbus und fuhr über Nacht nach Bloemfontein.

Weite
Bei dem Schild war klar: Ich bin angekommen
Morgens um 6 radelte ich dann von dort gen Lesotho. Der landschaftliche Unterschied war gigantisch. Der Bundesstaat heißt nicht umsonst "Free State".

Und als das Straßenschild am Horizont auftauchte, war es klar ... ich bin angekommen. Endlich unendliche Weite. Kaum noch Autos. Endlich Ruhe.

So hatte ich mir es vorgestellt!

Durch das Königreich Lesotho

Und dann kam Lesotho. Auch als einfacher Tourist spürte man direkt eine völlig andere Atmosphäre. Kein Wunder, schließlich gab es hier nie eine mit Südafrika vergleichbare Apartheid. Und das schlägt sich natürlich auch in dem Umgang der Menschen untereinander nieder.

Das aller Erste, was ich aktiv erleben durfte, war die Freundlichkeit und der Humor der Lesother Menschen. So gab es am Zoll die klassischen zwei Fahrbahnen: Eine für Autos und eine für die LKW. Klar, ich reihte mich bei den Autos ein. Als ich an der Reihe war, schaute der Grenzbeamte prüfend auf mein Fahrrad und meinte, dass ich hier falsch sei. Ich sei schließlich vollkommen überladen und müsste mich daher bei den LKW anstellen. Dann fing er breit zu grinsen an.

Auch der Beamte, der meinen Pass abstempelte, war super freundlich. Er fragte, ob ich schon einmal in Lesotho gewesen war und ob ich wüsste, wo ich hin wollte. Am Ende unterhielten wir uns eine viertel Stunde über dies und das und er gab mir weitere wertvolle Tipps. So einen netten Grenzübergang habe ich schon seit Jahren nicht mehr erlebt.


Einsame Straße
Einsame Waschbrettpiste
Maseru, die Hauptstadt von Lesotho, ist für Touristen nicht wirklich interessant. Daher kaufte ich nur kurz die notwendigsten Sachen ein und fuhr gleich weiter. Es gab zwei Optionen. Entweder über den Norden oder einmal quer durch. Die nördliche Route erschien mir weniger reizvoll. Fast durchgängig asphaltiert und gerade zu Beginn stark bevölkert und zu viel Industrie. Die Route mittendurch ist kürzer und über weite Teile eine einfache Geröllpiste. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich das ändern wird. Durch die großen Staudammprojekte werden zurzeit weitere Straßenabschnitte asphaltiert, Stromkabel verlegt und im gesamten Land Mobilfunkanlagen errichtet. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob die "einfache" Bevölkerung hiervon profitieren wird.

Straßenbegegnung
Straßenbegegnung
Straßenqualität
Top Straßenqualität
Die Entscheidung war für mich recht einfach. Es sollte quer durchs Land gehen. Eine gute Entscheidung, denn es wurde sehr abgeschieden und sehr ursprünglich. So gab es über weite Abschnitte kein fließendes Wasser oder Elektrizität. Ganze Dörfer hatten überhaupt keine Elektrozuleitung oder noch nicht einmal Generatoren. Und die Piste ließ keine "normalen" Autos zu. Lediglich 4x4 Geländewagen vermochten, diese zu bezwingen. Und Reiseradler natürlich :-)



Rettende Unterkunft
Rettende Unterkunft
Auch wenn ich in keine einzige "brenzlige" oder unbehagliche Situation gerutscht bin, hatte ich beschlossen, auch in Lesotho nicht wild zu zelten. Statt dessen schlug ich mein Zelt in der Nähe oder vor Lodges auf der Wiese auf oder sprach einfach Leute an. So war an einem Abend klar, dass ich zu keinem Dorf mehr kommen würde. Es regnete ausnahmsweise in Strömen und es wurde auch bereits dunkel. Als endlich ein Haus am Straßenrand auftauchte, klopfte ich kurzerhand an. Es waren drei Brüder zu Hause, die das Vieh hüteten. Der Jüngste war vielleicht 8, der Älteste 14. Auch wenn wir uns gegenseitig nicht verstehen konnten, war schnell klar, dass ich im Einraumhaus in einer Ecke meine Isomatte ausrollen durfte. Meine Erlösung! Die 3 bereiteten draußen auf dem offenen Feuer Maiskolben als Abendessen zu. Um nicht in die Verlegenheit zu kommen, dass mir Essen angeboten würde, blieb ich in der Zwischenzeit im Haus. Es ist eigentlich unhöflich, angebotenes Essen abzulehnen. Aber es anzunehmen fällt mir in Fällen, bei denen der Gastgeber nicht gerade zu den Reichen gehört, äußerst schwer.

Auf Grund der Topografie und der vorherrschenden Winde weißt die Region eine der statistisch höchsten Gewitterdichte auf. Das Naturschauspiel war in der Zeit immer gleich. Morgens gab es blauen Himmel. Der zog sich aber rasch zu und ab dem späten Mittag gingen die Gewitter nieder. Als Fahrradfahrer fühlte man sich auf dem Drahtesel auf weiter Flur und mitten in den Bergen nicht sonderlich sicher. Als ich einmal mitten in das Gewitterzentrum kam, zuckten die Blitze ca. alle 30-60 Sekunden um mich herum. Ich suchte verzweifelt etwas, um mich in Sicherheit zu bringen, da kam ein Bauer mit demselben Problem den Bergabhang herabgelaufen. Zusammen zwängten wir uns in eine Regenröhre, die unter der Straße entlanglief. Nur er hatte gut lachen, denn bei seiner kleinen Statur war es ihm ein Leichtes. Aber ich mit meinen 1,87m Körperlänge musste auf allen Vieren hinein kriechen.

Sani Pass
Das Klischee stimmt: Der Sani Pass kann was
Eines war schnell klar. Lesotho wurde zu einem meiner Favoriten. Die Landschaft war zum Radeln sehr anspruchsvoll, aber zum Schauen und andere Kulturen Kennenzulernen einfach gigantisch. Trotz der raschen Steigung von null auf 3.000 Meter, hat mir diese nicht so zu schaffen gemacht, wie die sauerstoffarme Höhenluft. So brachte mich so manch ein Pass, über den ich normaler Weise schmunzeln würde, an mein Limit. Jedoch hätte ich keinen einzigen auslassen mögen. Ganz besonders den Sani Pass nicht. Ich hatte ihn zufällig im Internet gefunden. Dort wurde er als "spektakulär" und als einer der Top 10 unter den Pässen weltweit für Biker proklamiert. Solche Superlative hatte ich schon viel zu oft gehört und war in der Hinsicht zuerst sehr reserviert. Aber in diesem Fall sollte sich der Sani Pass in der Tat, als einer der ganz großen herausstellen. Die Abfahrt war einfach magisch!



Abschluss in Südafrika

Sobald ich den Pass, und somit die Drakensberge, hinter mich gelassen hatte, änderte sich das Klima und die Landschaft einschl. Flora und Fauna fast schlagartig. Auf Grund der geringen Höhe, fiel das Radeln jetzt wieder deutlich leichter. Die 200km zur Küste waren schnell abgespult. Von dort noch die Küste hoch und schon war ich an meinem Ziel angekommen: Durban.

Nur wenige Tage später saß ich bereits im Flieger, schaute aus dem Fenster und träumte von der wunderschönen Tour, die mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. Und wenn immer die Erinnerung eine visuelle Auffrischung braucht, klicke ich einfach hier.

Ich freue mich auf Eure Kommentare und Anregungen im Gästebuch.



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Lesotho