China - Ein Reisebericht der Frau in Stöckeln


Schon vor vielen Jahren haben der Travelnerd und ich verrückte Reisen gemacht. Eine dieser Reisen führte uns über Dubai nach China.

Dubai - Burj Al Arab
DAS Wahrzeichen Dubais: Burj Al Arab
Nach einer kurzen Verschnaufpause waren wir soweit, ein neuer Urlaub musste her. Doch wohin? Ich wäre auch mit einem Wanderurlaub in den Alpen glücklich geworden, mein Globetrotter aber nicht. Also machten wir einen handelsüblichen Urlaub über Dubai in Maos Gedärme, zur chinesischen Mauer, den Terrakotta-Kriegern und auf einen 20 Yuan-Geldschein.

Die Reise begann ganz friedlich in Dubai, nachdem der Travelnerd 30 Moskitos per Handschlag im Hotelzimmer getötet hatte. Ich machte neue Erfahrungen beim Besuch einer Moschee, vor den Schranken des Burj Al Arab und auf kleine Menschen blickend von der 50. Etage eines Hochhauses auf der Sheikh Zayed Road.

Nur ein paar Tage später wachte ich im Flugzeug nach Shanghai auf. Zu meinem Glück erst kurz vor der Landung und hatte so den spannenden Teil der chinesischen Unverträglichkeit auf westliche Milchprodukte eines Mitreisenden verpasst. Der Travelnerd anscheinend nicht, der war relativ blass im Gesicht.


China-Im Reich der Mitte

Unser Plan für die Reise war wie folgend: Ankunft in Shanghai und dann ab nach Beijing.
Als ich im Bus in Richtung chinesischer Hauptstadt saß, wurde mir jedoch zum ersten Mal bewusst, dass ich dabei war, in eine mir völlig fremde Kultur vorzustoßen, die als Resultat vielleicht nicht so viel Positives bringen würde wie auf anderen Reisen.

Unsere Tour begannen wir am Platz des Himmlischen Friedens. Ich muss sagen, dass ich alles fühlte, aber keinen Frieden. Der Platz war riesengroß und maß fünfhundert mal achthundert Meter, kahl und kalt, gepflastert im 80er Jahre-Stil und in der Mitte das Mao-Mausoleum. Ein perfekter Ort für Demonstrationen und jetzt wohl nur noch als Demonstration der Macht des Staates über das Volk. Kein schöner Platz! Für die Chinesen aber ein magischer Anziehungspunkt und sogar vor dem Mausoleum gab es eine lange Schlange.

Beijing - Verbotene Stadt
Die Verbotene Stadt am nicht so friedlichen Platz des Himmlichen Friedens
Auch das ist Geschichte und gehört zu China, genauso wie die Verbotene Stadt, die am Ende des Platzes durch ein riesiges Portal eingeleitet wurde. Und jetzt raten Sie mal, wessen breites Grinsen einen dort erwartet.

Wir traten also ein in Chinas Vergangenheit. Gigantisch! Das ist das Erste, was mir eingefallen ist. Als wir die Verbotene Stadt betraten, verstand ich endlich, warum es Stadt und nicht Viertel oder Stadtteil hieß. Die Hauptgebäude waren umringt von zahllosen Nebengebäuden, Bedienstetenunterkünften, Gärten und Plätzen. Allein der Platz der Höchsten Harmonie vor dem Königspalast gab Raum für 100.000 Personen. Ich war beeindruckt. Von der Inneneinrichtung jedoch gar nicht, die gab es nämlich so gut wie gar nicht.

Nach nur vier Stunden Besichtigungsmarathon war ich platt. "Essen. Ich brauche Nahrung!". "Ah, super, wir sind ganz in der Nähe des berühmten Nachtmarktes, wo man super essen kann", klärt mich der Travelnerd auf. Ich hätte mich stärker wehren sollen. Dafür war es nur leider zu spät. Ich roch den Markt, bevor ich ihn sehen konnte. Meine Füße erfuhren eine Spontanheilung und ich hatte keinen Hunger mehr. "Hier stinkt es!"
"Das stinkt doch nicht. Es riecht nur anders. Schau mal, da gibt’s Frösche zu essen."
"Frösche? Ich muss kotzen." Neben den armen Fröschen, die zu zehnt in einem Bottich mit 40cm Durchmesser gehalten wurden, gab es Wasserschlangen, Riesenpilze, Karpfen, Hühnerbeine (zum Ablutschen?) und mehr Undefinierbares. Ich versuchte angestrengt, etwas zu finden und zu riechen, was ich essen mochte. Der Travelnerd schwärmte von den gegrillten Gräsern, die er von seiner Pakistan-Tour kannte. Bei jedem neuen Stand war ich stärker davon überzeugt, dass Nulldiät genau das Richtige für mich war. Als der Travelnerd und ich schon fast aufgegeben hatten, tat sich vor uns doch ein ganz normaler Stand mit gebratenen Nudeln und etwas Braunes in einem Wok auf. Ich nahm die gebratenen Nudeln und er die braunen "Bratkartoffeln". Nach einem großen Bissen von meinen Nudeln verzog ich das Gesicht. "Puh, schmeckt wie Schweißfüße". Er lachte und nahm einen seiner braunen Würfel in den Mund … um ihn dann zwei Sekunden später wieder auf die Straße zu spucken. Er wischte mit dem Finger über die braunen Würfel, dabei kam eine durchsichtige, gallertartige Masse zum Vorschein. Lecker!

Mutianyu - Chinesische Mauer
Grenzenloser Gigantismus
Nach zwei Tagen Beijing im Schnelldurchlauf, ging es weiter zur Chinesischen Mauer und dann in Richtung Xian zu den Terrakotta Kriegern. China ist riesig, daher verbrachten wir viel Zeit in Bussen oder Zügen.

Ich habe bis heute noch nicht begriffen, dass ich auf der längsten Mauer der Welt gestanden habe. Unbegreiflich! Frau kann sich einfach nicht die Ausmaße vorstellen. Man schaut zu der einen Seite und sieht, wie sich die Mauer bis in den Horizont schlängelt, man schaut zur entgegensetzen Seite und da schlängelt sie sich auch, so weit das Auge reicht. Mein Problem war nur, dieses verdammte Ding hoch zu kommen. Das sah auf Bildern ja immer so flach aus, war es aber gar nicht. Erst ging es Treppen hoch, um auf die Mauer selbst zu kommen, und dann musste man ständig hoch und runter steigen, um nur 500 Meter auf der Mauer zurückzulegen.

Pingyao - Nan Dajie
Zwischenstopp in Pingyao
Am nächsten Tag brachen wir mit dem Zug in Richtung Xian auf, mit einem eintägigen Zwischenhalt in der alten Handelsstadt Pingyao. Ich war supergespannt, wie das Reisen in chinesischen Zügen sein würde. Da die Fahrt durch die Nacht ging, hatten wir uns zwei Betten im Sechser-Schlafabteil gesichert. Die Abteile sind nicht verschlossen, sondern offen und nur mit einer Gardine abgeschirmt. Überall saßen Chinesen und unterhielten sich, spielten, tranken oder aßen.

Am nächsten Morgen kamen wir verknittert in Pingyao an. Ich hatte recht gut geschlafen. Der Travelnerd hatte sich ein wenig mit den Schnarchattacken aus den unteren Betten rumgeschlagen. Der übliche Ablauf fand statt, Rucksack aufschnallen und Herberge suchen. Wir fanden recht schnell ein süßes kleines Hostel inmitten der Altstadt. Ich war froh, meine Ruhe zu haben. Derweil hatte der Travelnerd schon die Gesamtsituation und die Lage abgecheckt und hatte alle Informationen, die wir brauchten, um den restlichen Tag, genau sechs Stunden am Stück, in Pingyao rumzulaufen und Häuser anzuschauen.

Terrakotta soweit das Auge reicht

Xian - Army Of Terracotta Warriors
Die Terrakotta Krieger wurden zu einem echten Highlight
Am nächsten Tag ging es weiter nach Xian. Ich hatte von Anfang an Vorbehalte gegen diesen Abstecher nach Xian gehabt. Außer der Ausgrabungsstätte gab es hier nämlich nicht viel zu sehen und ich erwartete auch keine neuen Erkenntnisse, die mir beim Anblick von Lehmkriegern in den Sinn kommen könnten. "Matsche, Matsche, male, male und schon steht der Terrakotta Krieger", hatte ich mir so gedacht.
Der Eintrittspreis war mehr als stolz, wenn man bedenkt, dass das chinesische Durchschnittseinkommen bei umgerechnet 90 Euro pro Monat lag (auf dem Land noch weniger).
Enttäuschung machte sich bei mir breit, die aber ganz schnell weggewischt wurde, als wir in die große Halle mit den ausgegrabenen Kriegern eintraten. Wow! Gigantisch! Ich hatte die Terrakotta Armee völlig unterschätzt. Unzählige, hintereinander aufgereihte Krieger, die wie lebend aussahen. Jeder ein Unikat. Unterschiedliche Gesichter, Frisuren, Kleidung und Ausstattung. Dazwischen standen Pferde und Karren. Alles so arrangiert wie die Aufstellung einer echten Armee kurz vor dem Kampf. Das, was wir hier zu sehen bekamen, war aber nur ein Teil, die Infanterie. Es gab noch die Kavallerie, die Offiziere und noch weitere unentdeckte Teile der Armee. Der Travelnerd knipste fast 1.000 Fotos innerhalb von zwei Stunden.

Lijiang
Mittagspläuschen
Es hieß mal wieder Rucksack aufschnallen und los. Jetzt waren nämlich ein paar Tage Wandern von Lijiang aus angesagt und sogar ich freute mich darauf.
Das Gute an diesen beiden Wandertagen war erstens, dass wir kein Zelt, keinen Schlafsack oder sonstiges Übernachtungsmaterial dabei hatten, was bedeutete, dass wir im Hotel schlafen mussten und zweitens, dass wir über 25 Grad hatten und ich daher hoffen konnte, mal nicht in den Bergen frieren zu müssen.

Tiger Leaping Gorge
Herrliche Aussicht an der Tiger Leaping Gorge
Der Weg verlief auf einer Höhe von 1.500 bis 2.300 Metern immer an der Schlucht des Tiger Leaping Gorge entlang, was uns eine herrliche Aussicht bescherte.


So hatten wir unsere ersten Tage in China verbracht. Von einer alten Kaiserstadt, über die große Mauer, zu Kriegern in der Erde und auf Bergen waren wir jetzt in Kunming angelangt. Kunming gilt als das Tor zu Tibet, die letzte große Stadt, bevor es in die Berge in das Land im Himalaya geht. Unser Weg führte uns jedoch nicht nach Tibet, sondern zurück ins Landesinnere. Über Kunming selbst gibt es nicht viel zu erzählen, es ist zwar eine wichtige Stadt für die Chinesen, aber auch genauso hässlich. Das Einzige, was wir noch schnell mitnahmen, waren die Steinfelder vor Kunming, indem wir mit dem Bus hindurch fuhren. Schnellabfertigung!

Der Travelnerd und ich probierten dann eine andere Abfertigung aus: Liegebusse! Um wertvolle Urlaubstage zu sparen, wollten wir so viel Reisezeit wie möglich in die Nacht verlegen. Unter einem Liegebus konnte ich mir nicht viel vorstellen, bis ich dann das Innere des Busses gesehen habe. Für einen Rückzug war es leider zu spät, also hieß es Augen zu und durch. Man könnte den Bus auch mit einer Großversion eines Jugendherbergszimmers vergleichen: Fünfzig Etagenbetten auf fünfzehn Quadratmetern! Lecker! Die letzten Urlaube mit dem Travelnerd hatten mich abgehärtet und mich konnte kaum etwas erschrecken. Dachte ich! In einem "Bett" in Sarggröße zu liegen war für mich nicht so schwer, da ich über eine wundervolle Körpergröße von 1.60m verfüge, aber für den Globetrotter an meiner Seite sah es vergleichsweise übel aus. 1.87m in eine Gestelllänge von 165cm zu quetschen und in der Breite auch nur 50cm zur Verfügung zu haben, ist nicht sehr bequem. Also war es für mich ein Heimspiel, für den Travelnerd ein Auswärtsspiel. Das Problem bestand aber darin, dass der Schiri leider Blähungen und ähnliches hatte. Es stank nach zwei Stunden so immens in dem Bus, dass man entweder mit Atemmaske ausgerüstet sein musste oder bewusstlos danieder lag.

Yangshuo - Li Jiang
Wie im Bilderbuch
Über eine weitere Busfahrt von einigen Stunden, kamen wir über Guilin nach Yangshuo, das Tal der Geldschein-Hügel.

Yangshuo, von uns nur noch Gulegule genannt, lag an dem malerischen Li Jiang Fluss, umzingelt von spitzen Hügeln. Es herrschte immer eine Art Nebel, der über dem Fluss und den Hügeln hing, sodass die Landschaft etwas Märchenhaftes besaß. Gulegule gab mir die Chance, ein Kilo zuzunehmen, nachdem ich in den letzten Wochen bestimmt fünf abgenommen hatte. Trotz alledem wurde mir ab und zu die Gelegenheit geboten, den Chinesen zu zeigen, dass wir Touristen nicht allesamt verblödet sind, und bot zum Beispiel eine extrem harte Stirn beim Feilschen für zehn Postkarten.


Megatrümmer Shanghai

Shanghai
Häuser- anstatt Bergschluchten
Ein paar Tage später ging es über eine ruhmreiche Schifffahrt, die sich absolut null gelohnt hat, nach Shanghai. Die Großstadt war einerseits eine Wohltat, anderseits ein Schock für mich. Nach den langen Touren über Land, war ich gewohnt, aus dem Bus wenige Gebäude, aber viele Menschen zu sehen, jetzt kamen zu den vielen Menschen auch wieder viele Hochhäuser und Autos dazu. Der Stadtstress kam zurück und damit die Erinnerung an zuhause.
Shanghai - Pudong
Stadtstress in Shanghai
Als unser letzter Abend in China anbrach, verlief er wie in allen anderen Urlauben mit einem Globetrotter auch: Essen suchen, Klamotten zusammensuchen, andere Reisende suchen und dann das Bett aufsuchen, mitten in der Nacht die Ohrstöpsel suchen, weil ein Bettgenosse im Schlafsaal die Schlafruhe mit seinem Schnarchen heimsucht. Diese Art von Ruhestörung war gar nicht so schlecht, denn dadurch freute es mich, endlich nach Hause zu kommen und in Ruhe und nur zu zweit in einem Zimmer zu schlafen. Allein mit dem Travelnerd, allein in einem Bett!

Ich freue mich auf Eure Kommentare und Anregungen im Gästebuch.

Die passenden Fotos von Dubai und China gibt es hier.

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China - In Maos Gedärmen

China