Die Trockensteinmauerroute

Und schon wieder stand ich vor meinem Hauptproblem. Ich hatte kurzfristig eine Woche frei und wollte gerne in die Ferne schweifen. Nun ist eine Woche nicht wirklich lang, so musste etwas in der Nähe her. Mehr durch Zufall als Absicht entdeckte ich den europäischen Fernwanderweg GR221 "Ruta da la pedra en sec". Der Name "Ruta da la pedra en sec" bedeutet Trockensteinmauer und das ist auch Programm. Es ist ein relativ neuer Wanderweg, der sich in acht Etappen entlang der Nordküste von Mallorca schlängelt. Acht Etappen in weniger als einer Woche? Da war wieder Speedtrekking angesagt. Das Zelt sollte mir die hierfür erforderliche Flexibilität gewähren, sodass ich an keine Unterkünfte gebunden war.


Auftakt im Westen Mallorcas

Port d'Andratx
Tourauftakt in Port d'Andratx
Los ging das Ganze in Port d'Andratx im Nordwesten der Insel.

Auf dem Weg über Sant Elm nach La Trapa hatte ich die ganze Zeit einen fantastischen Ausblick auf die vorgelagerte Insel da Dragonera.


Die Inselregierung ist redlich bemüht, das Image der Insel zu verbessern. Eine der Maßnahmen ist die Schaffung dieses Wanderweges, den GR221. Dazu gehört auch der Bau von Herbergen für die Wanderer. La Trapa wird die Westlichste werden.

Die Restaurierung wurde jedoch aufgrund rechtlicher Schwierigkeiten zwischenzeitlich ausgesetzt. Wenn sie fertig gestellt ist und betrieben werden kann, wird sie zu einem echten Juwel in einsamer Lage und fantastischer Natur werden.

Aufgrund der Schwierigkeiten ist der Wanderweg auch noch nicht überall begehbar und ausgeschildert. Verbotsschilder lassen keinen Zweifel aufkommen, dass Teilstrecken zum Durchgang durch die Eigentümer gesperrt sind.

La Trapa
Welch ein Ausblick. Leider wurden die Arbeiten in La Trapa ausgesetzt.
Nach La Trapa ging die Route genauso verlassen weiter und schlängelte sich auf den Bergen am Meer entlang. Nun kamen auch ein paar Höhenmeter hinzu. Wenn es bis La Trapa gerade einmal 600m hoch ging, konnte man bis Estellencs noch einmal 800m draufpacken und danach wieder 900m runternehmen. Aber die Aussichten belohnten mich stets. Auch die sommerliche Mittagshitze war in den Bergen durchaus erträglich.

Torre De Ses Animes
Torre De Ses Animes
Port des Cartonge
Idyllischer Zeltplatz bei Port des Cartonge
So gelangte ich in schöne kleine Dörfer, wie zum Beispiel Estellencs und entdeckte Zeugnisse der militärischen Geschichte der Insel, wie den Torre de ses Animes.

Das Finden eines geeigneten Zeltplatzes ist, insbesondere im Nordwesten der Insel, kein Problem. Die Besiedlung hält sich in Grenzen und eine einsame Bucht ist nie weit entfernt.
Und dann kam auch schon die erste "Großstadt" entlang des Weges. Valldemossa. Großstadt ist mit knappen 2.000 Einwohnern wohl etwas zu hoch gegriffen. Aber im Verhältnis zu den kleinen Dörfern ist Valldemossa riesig.

Camí vell de s'Arxiduc
Reiterweg Camí vell de s'Arxiduc
Auf dem Weg nach Deià wanderte ich über den Camí vell de s'Arxiduc. Der Erzherzog liebte Pferde und das Reiten und hatte sich seinerzeit den Weg als Reitweg ausbauen lassen. Hätte es damals doch nur schon gute Psychiater gegeben...

Nach einem spektakulären Abstieg kommt man rasch nach Deià, "DEM" Künstlerdorf Mallorcas. Da es hier wirklich schön ist, leben hier inzwischen auch sehr viele Ausländer. Die Preise sind dementsprechend hoch. Nur gut, dass es hier inzwischen das liebevoll restaurierte Refugi de Can Boi mitten im Dorf gibt. Da die Touris, wie gesagt, alle am Strand hingen, war ich ganz alleine in der Hütte. So kann man es sich gefallen lassen.

Auf dem Weg von Deià nach Port de Sóller passierte ich wieder schöne kleine Dörfer, grandiose Ausblicke auf Buchten und lange Trockensteinmauern (spätestens hier wird einem klar, warum der Wanderweg so heißt). Sowohl Port de Sóller als auch Sóller selber waren mir mit ihren 20.000 Einwohnern bereits zu groß und vor allen Dingen zu touristisch. Also ging es schnell weiter Richtung Berge. Vorher tauchte noch das idyllische Dorf Biniaraix auf, welches -warum auch immer- komplett von den Touristen übersehen wurde.


Unerwartete Bergwelt

Von da an sollte es in die "richtigen" Berge gehen. Und so sprintete ich fast vom Meer zum Coll de l'Ofre auf 875 Meter Höhe. Da ich bisher sehr zügig unterwegs war, konnte ich mir den Abstecher auf den Gipfel des L'Ofre (1.091 m) leisten und habe es nicht bereut. Ein definitiv lohnenswerter Umweg, denn die Aussicht ist überwältigend. Spätestens dort wurde mir bewusst, wie bergig Mallorca wirklich ist.

l'Ofre
Unerwartete Bergwelt beim l'Ofre
Nach einer kleinen Pause auf dem Gipfel ging es zurück zum Coll de l'Ofre und rüber zum Embassament de Cúber, einem herrlichen Stausee, der zum (verbotenen) Baden einlädt.

Monastir de Lluc
Monastir de Lluc
Von dort ging es durch wilde Hügel, bevor ich beim Kloster Monastir de Lluc ankam. Im Hochsommer war der Ort prima, da man nahezu alleine hier war. Ab und zu kam zwar ein Reisebus mit ein paar Touris vorbei, verabschiedete sich aber nach spätestens einer Stunde wieder und ab fünf Uhr ist man dann ganz für sich. So wartete das einzige offene Restaurant nur auf mich. Nach meinem Abendmahl schloss es dann auch gleich wieder und zur Übernachtung hatte ich ein ganzes Kloster nur für mich allein. Zwei Nächte lang!


Abstecher zum Torrent de Pareis

Ich hatte das Kloster als Ausgangsbasis für die Wanderung durch den Torrent de Pareis gewählt. Man kommt morgens bequem mit dem öffentlichen Bus bis zum Ausgangspunkt in Sa Calobra. Am Anfang der Schlucht liefen noch einige Touristen herum. Da aber kurz danach der Durchgang mit Felsblöcken versperrt ist und man klettern muss, war man dann schließlich so gut wie allein.

Torrent de Pareis
Torrent de Pareis
Insgesamt ist der Torrent de Pareis gerade einmal 3.300m lang. Aber das Flussbett ist hier und da mit mehreren Metern großen Felsblöcken versperrt, sodass man ein wenig kraxeln muss.

So schlängelt sich der Fluss, der im Sommer nahezu ausgetrocknet ist, ins Landesinnere, bevor er sich am Torrent Gorg Blau gabelt. Den Torrent Gorg Blau kann man jedoch nur wenige Meter hinaufgehen, da eine Felswand das Weitergehen ohne entsprechendes Equipment nahezu ausschließt.

Torrent de areis
Eindladung am Torrent de Pareis
Folgt man jedoch dem Torrent de Pareis, geht dieser in den Torrent de Lluc über. Der Name trügt aber und man kommt nicht den ganzen Weg bis zum Kloster hinauf, sondern muss mitten drinnen scharf rechts den Berg hoch krabbeln. Dabei verlor ich prompt die Steinmännchen zur Orientierung und so ging es zum Schluss Querfeld ein.


Zur Ostspitze Mallorcas

Vom Monastir de Lluc ist man rasch in Pollença, dem offiziellen Ende des GR221, angelangt. Auch Pollença ist mit ihren 16.000 Einwohnern wieder eine große Stadt. Irgendwie zog es mich aber weiter und so ging es flux nach Port de Pollença, dem Ausgangspunkt zur Landzunge Formentor.

Cap de Formentor
Am Ende Mallorcas angekommen: Das Cap de Formentor
Aber auch dort gab es aus meiner Sicht außer Strand nicht viel, also schnallte ich mir den Rucksack auf und machte mich auf zum Cap de Formentor, dem nordöstlichen Punkt der Serra de Tramuntana-Gebirgskette.

Calafiguera
Calafiguera, ein weiterer perferter Zeltplatz

Auf dem Rückweg entdeckte ich von der Straße aus eine kleine Bucht, die nahezu danach schrie, dass ich dort eine Nacht im Zelt verbringen sollte. Was ich dann auch, pflichtbewusst wie ein Globetrotter so ist, tat.

Welch ein perfektes Ende für den Kurztrip!

Zusammenfassend kann ich jedem Wanderbegeisterten den GR221 wärmstens empfehlen. Er ist abwechslungsreich und oft ursprünglich und entlegen.

Ich muss eingestehen, dass ich bisher nur das Mallorca-Klischee mit Ballermann & Co. kannte. Jetzt muss ich sagen, dass Mallorca viel, viel mehr zu bieten hat und eins davon ist der Trockenmauerweg.

Ich freue mich auf Eure Kommentare und Anregungen im Gästebuch.

Weitere Fotos vom GR221 gibt es hier.



Fotos Mallorca
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GR 221: Ruta de Pedra en Sec

Mallorca